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Haus- und Wohnungsformen

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Wer die Immobilieninserate in den Zeitungen oder im Internet durchforstet, sieht sich einer Vielzahl von Wohnungs- und Haustypen gegenüber: Geschosswohnungen, Doppelhaushälften, Attikas, Lofts, Duplexwohnungen, Terrassenhäuser oder Terrassenwohnungen.

Für Laien sind diese Bezeichnungen nicht immer einfach auseinanderzuhalten, und es ist schwierig, sich konkret vorzustellen, wie das jeweilige Objekt in der Realität aussehen könnte.

In der folgenden Zusammenstellung finden Sie einen Überblick über die gängigsten Haus- und Wohnungstypen, wie sie in Inseraten angepriesen werden – jeweils ergänzt mit den wichtigsten Vor- und Nachteilen.

Frei stehendes Einfamilienhaus

Das allein stehende Haus, umgeben von einem grossen Garten, ist immer noch der Traum der meisten Immobilienkäufer. Zur Realisierung eines zweistöckigen Einfamilienhauses üblicher Grösse mit 150 Quadratmetern Wohnfläche und einer Garage fürs Auto werden 400 bis 500 Quadratmeter Land benötigt. Entsprechend lässt sich dieser Traum meist nur abseits der Zentren realisieren, wo die Landpreise moderat sind.

+ Vorteile: Viel Privatsphäre, wenig Reibungsfläche mit den Nachbarn, alleinige Verfügungsgewalt, viel Freiheit bei der Gestaltung von Gebäude und Grundriss

Nachteile: Hohe Grundstückskosten wegen des grossen Landbedarfs, höhere Kauf- bzw. Baukosten als bei aneinandergebauten Häusern

Doppeleinfamilienhaus

Werden zwei Einfamilienhäuser aneinandergebaut, spricht man von einem Doppeleinfamilienhaus. Jede Haushälfte orientiert sich dadurch zwar nur noch nach drei Seiten, dafür sinken der Landbedarf und die Baukosten.

Zudem ist es möglich, teure Installationen, beispielsweise die Heizungsanlage, nur einmal zu erstellen und gemeinsam zu nutzen.

+ Vorteile: Geringerer Landbedarf und tiefere Kauf- bzw. Baukosten

Nachteile: Weniger Privatsphäre, da man Wand an Wand mit den Nachbarn lebt. Weniger Freiheit in der Gestaltung des Grundrisses, da an einer Wand keine Fenster eingebaut werden können.

Reihenhaus

In den englischen Industriestädten gehören die Reihenhäuser mit ihren typischen Backsteinfassaden seit mehr als hundert Jahren zum gewohnten Bild. Auch bei uns hat sich das Reihenhaus in den letzten Jahrzehnten zu einer gefragten Wohnform entwickelt. Dank geringem Landbedarf – 200 Quadratmeter genügen – und der aneinandergereihten Bauweise sind die Häuser um einiges billiger als frei stehende.

Dafür wohnt man mit den Nachbarn auf beiden Seiten Wand an Wand, der Garten besteht nur aus einem Streifen Grün, die Grundrisse sind oft schmal und lang und die Wohnräume auf bis zu drei Stockwerken übereinandergestapelt. Entsprechend oft müssen Reihenhausbesitzer Treppen hoch- und runtersteigen.

+ Vorteile: Günstiger Preis, kompakte Bauweise hilft Energie sparen

Nachteile: Wenig Privatsphäre und oft recht enge, schmale Grundrisslösungen mit schlecht möblierbaren Zimmern

Terrassenhaus

In den Sechziger- und Siebzigerjahren entdeckten Architekten und Investoren in der Schweiz das Bauen am Hang. Treppenstufen vergleichbar, wurden die Wohnungen entlang der Hangschräge versetzt übereinandergestapelt. So entstand eine Zwitterlösung zwischen Haus und Wohnung: das Terrassenhaus. Gewohnt wird meist auf einem Stockwerk, die Fenster gehen nach drei Seiten. Zur Talseite ist eine grosse Terrasse angeordnet, die den Häusern, die eigentlich Wohnungen sind, ihren Namen gibt. Einen Garten haben diese Wohnungen meist nicht. Verkauft werden sie deshalb oft nicht im Allein-, sondern im Stockwerkeigentum.

Durch die grossflächige Verbauung der Hänge gerieten die Terrassenhäuser bald schon in Verruf. Aufgrund des Mangels an gut gelegenem Bauland und der vermehrten Nachfrage nach Wohnungen werden sie heute wieder gebaut.

+ Vorteile: Unverbaubare Aussicht, grosse Terrasse, mehr Privatsphäre als in einer normalen Wohnung

Nachteile: Aufwendige und teure Erschliessung mit langen Treppen oder seilbahnartigen Liftanlagen, höherer Kaufpreis als bei üblichen Wohnungen

Geschosswohnung

Die klassischste aller Wohnungsformen ist die auf einem Stockwerk gelegene Wohnung, kurz Geschosswohnung genannt. Die Mehrheit der auf dem Immobilienmarkt angebotenen Eigentumswohnungen gehört zu dieser Kategorie. Im Gegensatz zu Häusern mit Mietwohnungen, in denen oft drei oder mehr Einheiten auf einem Stockwerk angeordnet sind, findet man im Eigentumswohnungsbau meist eine oder zwei Wohnungen pro Geschoss.

+ Vorteile: Alle Räume auf einem Geschoss, bezahlbarer Preis, im Vergleich oft günstiger als Mietwohnungen gleicher Grösse

Nachteile: Weniger Privatsphäre, die Nachbarn wohnen – wie in der Mietwohnung – meist oben, unten und nebenan.

Attikawohnung

Als Attika bezeichnet man das oberste Stockwerk eines Mehrfamilienhauses. Die dort gelegenen Wohnungen verfügen meist über grosse Terrassen oder Balkone und eine bessere Aussicht als die Einheiten in den darunterliegenden Stockwerken. Sie verbinden so ein Wohngefühl wie im Einfamilienhaus mit den Vorteilen einer Eigentumswohnung. Auf dem Immobilienmarkt ist die Nachfrage nach Attikawohnungen hoch. In neu erstellten Häusern mit Eigentumswohnungen sind sie meist schon nach kurzer Zeit verkauft. Das besondere Wohngefühl hat aber seinen Preis; Attikawohnungen sind meist einiges teurer als andere gleich grosse Wohnungen im Haus.

+ Vorteile: Privatsphäre, wenig Reibungsfläche mit Nachbarn, viel Licht und Aussicht

Nachteile: Meist wesentlich teurer als vergleichbare Geschosswohnungen im Haus, Preise oft ähnlich hoch wie beim Einfamilienhaus

Duplexwohnung oder Maisonette

Berühmte Architekten wie der Schweizer Le Corbusier haben immer wieder versucht, Wohnungen in Mehrfamilienhäusern so zu planen, dass sie den Charakter eines Einfamilienhauses haben. Entstanden ist daraus die zweistöckige Wohnung, die in Fachkreisen meist Duplex genannt wird. Häufig teilen sich Wohnzimmer, Esszimmer und Küche ein Stockwerk, während die Schlafzimmer das andere Geschoss belegen.

+ Vorteile: Wohngefühl wie im Einfamilienhaus, gute Rückzugsmöglichkeiten innerhalb der Wohnung

Nachteile: Meist teurer als eine eingeschossige Wohnung, die interne Treppe kann im Alter zum Hindernis werden

Loft

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg mieteten viele Künstler in New York leere Lagerhäuser im Hafengebiet als Ateliers. Da sie kein Geld für eine separate Wohnung hatten, lebten sie – verbotenerweise – auch gleich in ihren Ateliers, die sie Lofts nannten. Daraus entstand eine urbane Wohnform, die sich heute in allen grösseren Städten der Welt grosser Beliebtheit erfreut. Das klassische Loft besteht aus einem einzigen, hohen Raum, in dem gewohnt, gekocht, gegessen und geschlafen wird. Nur Bad und WC befinden sich in abgetrennten Räumen. Aufgrund der Beliebtheit und des Mangels anpassenden Fabrikgebäuden werden heute Lofts in der Schweiz auch neu gebaut.

+ Vorteile: Viel Raum und Licht, sehr individuelle Wohnform, freie Gestaltung des Grundrisses durch die Bewohner

Nachteile: Wenig Rückzugsmöglichkeiten innerhalb der Wohnung; durch die gute Lage, den aufwendigen Ausbau und die grossen Flächen meist hohe Kaufpreise

 

In Kooperation mit:

© 2018 Beobachter-Edition, Ringier Axel Springer Schweiz AG, Zürich.
Der Inhalt dieses Artikels stammt aus dem Beobachter-Ratgeber «Der Weg zum Eigenheim»
und wurde an Brixel zur online-Publikation lizenziert. Hier geht’s zum Buch: https://shop.beobachter.ch

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© 2018 Beobachter-Edition, Ringier Axel Springer Schweiz AG, Zürich.

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