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Die erste Bedürfnisabklärung

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Je nachdem, in welcher Region der Schweiz Sie Ihr Traumobjekt suchen: Entweder wird Sie das Angebot an Häusern, Wohnungen oder Bauland fast erschlagen oder Sie finden einen ziemlich ausgetrockneten Markt vor.

Wie auch immer – bevor Sie sich wahllos auf alle Angebote stürzen, sollten Sie sich erst einmal bewusst werden, welche Art Immobilie Ihnen überhaupt entspricht, in welcher Umgebung sie stehen sollte und wie Ihr persönlicher Lebensplan für die nähere, aber auch fernere Zukunft aussieht. Denn, so abgedroschen es klingen mag: Nur wer weiss, wonach er sucht, kann fündig werden.

Eine erste Bedürfnisabklärung ist für Sie als angehender Eigenheimbesitzer Pflicht (siehe Checkliste). In einem zweiten Schritt müssen Sie abklären, wie viel Sie maximal für Ihr Wohneigentum bezahlen können. Dann kann es mit der Suche losgehen. Haben Sie ein Objekt gefunden, das infrage kommt, werden Sie es unverbindlich besichtigen und erst dann von Grund auf prüfen.

Sie müssen noch nicht alle Fragen abschliessend beantworten. Wichtig ist, dass Sie sich in einem ersten Schritt der Anforderungen bewusst werden, die Sie an Ihr zukünftiges Objekt stellen. Notieren Sie Ihre Antworten und Sie werden erkennen, dass Sie bereits ein relativ klares Profil Ihres zukünftigen Eigenheims entworfen haben (siehe unten).

Mit einem solchen Profil können Sie die Angebote auf dem Immobilienmarkt daraufhin prüfen, ob sie möglichst vielen Ihrer Ansprüche genügen. Haben Sie sich etwa notiert, dass der Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht länger als 45 Minuten dauern darf, können Sie alle weiter entfernten Angebote von vornherein streichen.

Checkliste: erste Bedürfnisabklärung

Raum

  • Wie viele und welche Personen werden das Objekt zu Beginn bewohnen?
  • Wie viele und welche Personen werden das Objekt in fünf bis zehn Jahren bewohnen (Kinderwunsch; ältere Kinder, die ausziehen; Eltern, die eventuell in Pflege genommen werden)?
  • Arbeitet jemand jetzt oder eventuell in Zukunft von zu Hause aus und ist dafür ein eigenes Büro nötig?
  • Hat jemand ein Hobby, das viel Platz in Anspruch nimmt oder ein separates Zimmer belegt
    (Werkstatt, Musikzimmer etc.)?
  • Hat ein Partner Kinder, die getrennt von Ihnen leben, aber beispielsweise jedes zweite Wochenende bei Ihnen wohnen und deshalb ein Zimmer oder mehrere benötigen?
  • Haben Sie oft Besuch, der über Nacht bleibt und ein Gästezimmer braucht?
  • Wie viele Rückzugsmöglichkeiten brauchen Sie? Ist Ihnen ein eigenes Zimmer pro Person wichtig?

Denken Sie alle möglichen Szenarien für die weitere Zukunft durch und finden Sie heraus, wie viele Zimmer Sie für welches Szenario benötigen würden und wie gross die einzelnen Räume ungefähr sein sollten.

Standort

  • Möchten Sie auf dem Land, in der Agglomeration oder in der Stadt leben?
  • Wollen Sie den Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem eigenen Auto zurücklegen?
  • Wie viel Zeit wollen Sie für den Arbeitsweg maximal aufwenden?
  • Wie viel Infrastruktur soll der Ort bieten (Kinderbetreuung, Schulen, Läden, Bank, Post, medizinische Versorgung, Ausgehen, Kultur, Sport, Vereine, Anschluss an den öffentlichen Verkehr, nächster Autobahnanschluss)?
  • Wie viel Umschwung brauchen Sie (Garten, Spielwiese etc.)?
  • Welche Qualitäten soll die nächste Umgebung bieten (zum Beispiel Natur, Strassen, Nachbarschaft)?
  • Wie viel Wert legen Sie auf Besonnung, Lichtverhältnisse und Aussicht?
  • Wie viele Lärm- oder Geruchsimmissionen vertragen Sie?
  • Ist für Sie der Steuerfuss der Gemeinde ausschlaggebend?

Objekt

  • Welche Haus- oder Wohnungsform kommt infrage (allein stehendes Haus, Reihenhaus, Stockwerkeigentum etc.)?
  • Welchen Architekturstil bzw. welche Art von Objekt suchen Sie (alt, klassisch, urban, modern, ökologisch)?
  • Wie wichtig ist Ihnen eine Terrasse oder ein Balkon?
  • Wie wünschen Sie sich den Grundriss des Objekts (möglichst grosse Zimmer, flexibel für spätere Anpassungen, alles auf einer Ebene etc.)?
  • Haben Sie konkrete Wünsche zum Innenausbau (Materialien, Stil, Ästhetik, praktischer Nutzen, Lebensdauer etc.)?
  • Soll das Objekt auch im Alter noch genutzt werden können (rollstuhlgängig, Lift etc.)?

Virtuelles Wohnen im Traumhaus

Eine gute Möglichkeit, die eigenen Vorstellungen zu konkretisieren, ist das «virtuelle» Wohnen: Alle Mitglieder des Haushalts sollen in Gedanken schon einmal in ihrem Traumhaus leben. Vergegenwärtigen Sie sich in einem ersten Schritt Ihren heutigen, normalen Tagesablauf. Notieren Sie sich diesen über eine Woche in einem Wohntagebuch. Wie stehen Sie am Morgen auf? Welche Rituale haben Sie? Was machen Sie unter der Woche am Abend? Wie viel Zeit verbringen Sie in welchem Raum? Wie sieht ein normales Wochenende bei Ihnen zu Hause aus?

In einem zweiten Schritt überlegen Sie anhand Ihres Wohntagebuchs, was für Sie an Ihrem heutigen Alltag positiv ist und was Sie stört. Dann schreiben Sie frei von der Leber weg auf, wie für Sie ein perfekter Tagesablauf aussehen würde. Das kann beispielsweise beinhalten, dass in Ihrem zukünftigen Haus das WC ganz sicher auf dem gleichen Stock wie Ihr Schlafzimmer liegen soll (nicht wie heute nur über die Treppe erreichbar) oder dass Sie, wie jetzt schon, bei jedem Aufwachen in die Morgensonne blinzeln wollen.

Schliessen Sie in Ihre Überlegungen auch unterschiedliche Voraussetzungen ein: Wie ändert sich Ihr Alltag im Verlauf der Jahreszeiten, bei schönem und bei schlechtem Wetter?

Beispiel: Anforderungsprofil

Raum

  • Heute 1 grosses Wohnzimmer und mindestens 3 weitere grosse Zimmer – später ausbaubar auf mindestens 5 Zimmer
  • 1 Zimmer muss als Büro benutzbar sein (möglichst ruhig gelegen) und soll gleichzeitig auch als Gästezimmer dienen (Platz für Pult, Regal, Bett).
  • Der Keller muss neben Stauraum auch genügend Platz für eine Werkstatt bieten.

Standort

  • In der Agglomeration von Zürich
  • Arbeitsweg mit öffentlichem Verkehrsmittel nach Zürich nicht länger als 45 Minuten von Tür zu Tür
  • Der Ort soll Schulen bis zur Oberstufe bieten, einen Kinderhort, einen Lebensmittelladen (zu Fuss erreichbar), einen Volleyballklub.
  • Der Garten muss nicht gross sein.
  • Die Nachbarschaft sollte die gleiche Altersstruktur haben.
  • Besonnung wichtig: Ausrichtung der Wohnräume unbedingt nach Süden oder Südwesten

Objekt

  • Haus oder Reihenhaus
  • Baustil egal, aber möglichst ökologisch sollte es sein.
  • Unbedingt mit Terrasse
  • Der Grundriss muss eine spätere Anpassung auf 5 Zimmer zulassen.
  • Nicht mehr als ein Stockwerk
  • Innenausbau mit möglichst vielen Naturmaterialien

Mit diesem fiktiven Wohntagebuch können Sie Ihre eigenen Anforderungen auf lockere Art formulieren und sie mit denjenigen Ihrer Mitbewohner vergleichen. Ausserdem wird Ihr Architekt – falls Sie ein eigenes Haus bauen – anhand eines solchen Wohntagebuchs von Anfang an besser auf Ihre Wünsche eingehen können.

 

In Kooperation mit:

© 2018 Beobachter-Edition, Ringier Axel Springer Schweiz AG, Zürich.
Der Inhalt dieses Artikels stammt aus dem Beobachter-Ratgeber «Der Weg zum Eigenheim» und wurde an Brixel zur online-Publikation lizenziert. Hier geht’s zum Buch: https://shop.beobachter.ch

Über den Autor
Beobachter Edition
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© 2018 Beobachter-Edition, Ringier Axel Springer Schweiz AG, Zürich.

Weiterführende Literatur

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